Über mich
Zusammenfassung
Sternzeichen: Zwilling!, Baujahr 42, Beruf: technisch,
Vorliebe für Schokolade, Wein, Blondinen und Filme von Pedro Almodóvar. Da ich nicht rauche, fehlte mir lange Zeit
noch ein drittes Laster.
Das war es nun: Travestie: tolle Kleider für Damengrösse 40/42,
hohe Schuhabsätze für Grösse 42, Stoffe:
glänzend oder glitzernd. Im Gegensatz zu früher habe ich nun ein entkrampftes
Verhältnis zu meinem zweiten Ich. Meine langjährige Ehepartnerin hat deshalb
neuerdings ebenfalls eine positive Beziehung zu "Petra".
Mein grösster Dank gilt daher meiner toleranten Frau, sie steht voll zu mir!
Kindheit-Pubertät
Wenn ich etwas ausführlicher werden soll, so muss ich sehr weit zurückgreifen.
Mein Bewusstsein registrierte bereits im Kindergartenalter in bestimmten Momenten eine
eigenartige Faszination für Frauen und Mädchen, welche mit der arttypischen Kleidung
zusammenhing. Am Schulsylvester stellte die Kindergärtnerin in Aussicht, dass der
Letzteintreffende den ganzen Morgen ein langes, weisses Nachthemd tragen müsse.
Ein Gspänli kam dann aber noch später als ich, und ich ärgerte mich über
die verpasste Gelegenheit.
Einige Jahre später, im Alter von 15, hatten meine Eltern eine nette und grossgewachsene
18-jährige Haushalthilfe -Helga- engagiert. Wenn die Eltern und Geschwister am Sonntag
jeweils einen Ausflug machten, so hatte ich meistens noch "sehr viel Schulaufgaben" zu
erledigen, und blieb mit Helga zuhause. Wir verstanden uns sehr gut. Ich gestand ihr meine
damals unerklärlichen Verkleidungswünsche, und sie ging darauf ein. Als nächstes
unternahmen wir nächtliche Spaziergänge, wenn niemand zuhause war. An einem
schönen Frühlingstag machte sie mich zurecht und knipste einige schwarzweiss-
Bilder, die glücklicherweise die anschliessenden "purgings" der
folgenden Jahre überstanden. Ich fühlte mich stets zum Weiblichen hingezogen,
allerdings mit dem unerfüllbaren Ziel gleichzeitig Freund und Freundin zu sein.
Während der Pubertät stiegen die Schuldgefühle, und ich versuchte die
Travestie mit Arbeitseifer in der Schule und technischen Hobbies
zu verdrängen. Ich begann mich stark für Funktechnik zu interessieren, insbesondere
Amateurfunk im Kurzwellenbereich. Die Amateurlizenz war das nächste Ziel, das ich mit 25 Jahren erreichte.
Im Alter zwischen 20 und 30 Jahren stand der berufliche Aufstieg im
Vordergrund. Dazu kam noch der Militärdienst. Dort sollte nach meiner Meinung mit
der körperlichen Abhärtung alles besser werden. Bei einer Blutentnahme in der
UOS meinte der Adjudant etwas spöttisch, meine Venen seien "ähnlich schwer zu
finden wie bei einer Frau". Ich war etwas schockiert und dachte darüber nach.
Partnersuche
Neben dem El.-Ing.-Studium hatte ich einige oberflächliche Party-Bekanntschaften mit Frauen,
das Thema Travestie blieb dabei tabu. Ich hoffte, wie viele Transvestiten, dass sich das
nun endgültig legen werde, und ich ahnte, dass das bei der Partnerwahl sehr hinderlich
werden dürfte. Meine erste enge Freundin, der ich mich anvertraute, war enttäuscht,
und riet mir dringend, einen Psychiater aufzusuchen. Ich war etwas gekränkt, ging dann
aber zu einer ersten und letzten Sitzung. Obschon der Psychiater sehr zurückhaltend meine
Lebensgeschichte ausfragte, kam es mir vor, wie wenn jemand am Fundament rütteln
würde. Hier legte ich mich erstmals quer gegen die sogenannte Norm. Ich gab die
Freundschaft wieder auf, und suchte weiter.
Die nächste Bekanntschaft führte zur Heirat, und dauert bis heute an.
Darüber möchte ich mit Rücksicht auf unsere Beziehung nicht weiter eingehen,
nur soviel: es war für mich ein grosser Glücksfall!
Internetzeitalter
Mit dem Aufkommen des Internet veränderte sich der bisher eng gesteckte Rahmen meines
zweiten Ich's ganz enorm. 1996 besuchte ich einen Internetkurs und rüstete meinen PC
aus. Anfänglich suchte ich Newsgroups und Homepages mit Bezug auf technische Themen,
Antikradio oder Reisen. Damals hätte ich es noch nicht gewagt, den Suchbegriff
"Transvestite" im Yahoo oder Altavista einzutippen. Da fand ich zufällig in einer
seriösen, amerikanischen IEEE-Zeitschrift
"The Institute", einen
humoristischen Leserbrief mit Travestie-Bezug und dem englischen Ausdruck "cross-dressing".
Dieses Wort schien mir weniger belastet als "Transvestit", und ich tippte es im Sucher ein:
Hoppla! - mehrere Seiten Referenzen! (heute wahrscheinlich hunderte von Seiten!).
Meine Telefonrechnung schnellte hoch. Das Surfen im Internet löste meine bisherigen
Hobbies ab. Ich realisierte, dass ich nicht allein war, dass "mein Fall" tausenfach bei
Männern jeden Alters vorhanden war, dass die sexuelle Ausrichtung:Hetero-, Homo- Bi-
nicht direkt damit zusammenhängt. Zuerst trat ich in Kontakt mit dem amerikanischen
Tri-Ess, später dann auch mit schweizerischen und europäischen Gruppen. Die
Chicago-Sektion von Tri-Ess organisierte im Sommer 97 ein
grosses Wochenendprogramm für Crossdresser. Die Aufmachung des Anlasses
BE-ALL weckte Vertrauen bei mir und den Wunsch nach Teilnahme, und ich konnte
gar meine Frau davon überzeugen. Also erhielt ich die "Clearance" für das
Abenteuer, welches ich nie mehr vergessen werde.In der
Zwischenzeit gewann ich Vertrauen in die "Szene" und wandte mich an den lokalen Club
TransPersona (CH, ZH).
Auch hier traf ich auf hilfsbereite kollegiale Menschen, Transvestiten und Transsexuelle,
welche sich gerne allmonatlich zu einem Treff zusammenfinden, um Gedanken und Erfahrungen
auszutauschen. Die meisten Clubs bieten auch ein Jahresprogramm mit geschlossenen und offenen
Anlässen: Fach-Vorträge, Unterhaltung, Ausflüge.Dies gibt natürlich auch einen
guten Grund, um im bevorzugten femininen Outfit und mit entsprechendem Makeup die eigenen vier
Wände zu verlassen.
